Zoo Osnabrück WASSERWELTEN

Für die Tiere bringt die neue, moderne „Wasserwelten“- Themenlandschaft vor allem erst einmal viel Platz mit sich. Etwa drei- bis fünfmal so viel Raum, um genau zu sein, werden sie zukünftig nutzen können. Das ist mehr, als im Säugetiergutachten für die Haltung dieser Tiere vorgesehen ist. Tatsächlich wird es in den „Wasserwelten“ nicht nur mehr Platz für die Tiere geben, entscheidend ist auch die Qualität des Platzes. Bei der Planung der „Wasserwelten“-Anlage berücksichtigen die Zoodesigner der dan pearlman Erlebnisarchitektur deshalb die natürlichen Lebensgewohnheiten der Tiere und erhöhen die Komplexität der Tierumgebung innerhalb der Anlage so, dass sie den genetischen und verhaltensbedingten Bedürfnissen der Tiere gerecht wird und auf die artspezifischen Bedürfnisse der Tierarten eingeht. Was kompliziert klingt, ist tatsächlich sehr wichtig, denn die Anreicherung der Tieranlagen umfasst die regelmäßige Bereitstellung von dynamischen Umgebungen, kognitiven Herausforderungen und sozialen Interaktionsmöglichkeiten.

Für die „Wasserwelten“ heißt das konkret, dass die Felslandschaft für die Anlage so entwickelt wurde, dass sie die Bewegungsmuster und Bewegungsbedürfnisse der Wassertiere berücksichtigt. Felshöhlen und Löcher laden zum Verstecken und Hindurchschlüpfen ein und auch die Ruhe- und Liegeplätze sind entsprechend ergonomisch geformt und angelegt worden. „Environmental Enrichment“ und Behavioral Enrichment“ sind Fachbegriffe für diese Art der Optimierung, auf die bei modernen Zooanlagen ein besonderer Wert gelegt wird. Die Berliner Architekten sind erfahrene Zooplaner und haben bereits für den Zoo Hannover, den Tierpark Hellabrunn in München, für den Zoo und Tierpark in Berlin gearbeitet und sogar in Großbritannien und Korea moderne Erlebniswelten für Zoos und Freizeitparks mit einem Fokus auf das Tierwohl entwickelt und umgesetzt.

Doch Kieran Stanley, CEO und Kreativdirektor der Berliner Erlebnisarchitekten, plant nicht nur Anlagen, die das Wohl der Tiere in den Mittelpunkt stellen, sondern er geht noch ein Stück weiter. Environmental Enrichment im Zoo bedeutet für ihn nicht nur beste Lebensbedingungen für die Tiere herzustellen, sondern auch beste Erlebnisbedingungen für die Besucher und beste Bewirtschaftungsbedingungen für den Zoo zu schaffen.

Doch wie sieht es denn aus, das Besuchererlebnis in den neuen Wasserwelten? Auf was dürfen sich die Gäste denn ganz konkret freuen? Zunächst einmal ist es aus der Perspektive der Zoodesigner wichtig, dass die Besucher sich eingeladen und willkommen fühlen und bereit sind, sich auf eine kleine Reise zu begeben. Zoodesigner müssen also die Voraussetzungen schaffen, damit die Besucher sprichwörtlich in die Architektur und Landschaft einer Erlebniswelt eintauchen können. Im Fachjargon nennt man dieses „Einswerden“ mit der Umgebung ein immersives Erlebnis. Geschaffen wird dieses durch die Gestaltung einer Anlage aber auch durch die Geschichten, die innerhalb der Erlebniswelt erzählt werden. Das sogenannte „Storytelling“ führt dazu, dass die Besucher ganz in der „neuen Welt“ ankommen und emotional dazu bereit sind, sich auf die neuen Erlebnisse ein- und von der Schönheit und Einzigartigkeit der Flora und Fauna berühren zu lassen. Gelingt dies erfolgreich, können auch wichtige edukative Themen rund um den Artenschutz adressiert und von den Besuchern aufgenommen werden.

Für die „Wasserwelten“ beschreibt Kieran Stanley das geplante Besuchererlebnis bereits beim Spatenstich im Frühjahr 2021 so: „Die Grundidee ist natürlich, den Tieren eine artgerechte Heimat mit großen Gehegen zu errichten. Darüber hinaus erschaffen wir eine nordische Erlebnislandschaft mit Dünen, Kunststrand und Felsen sowie eine Architektur und Bepflanzung abgeleitet von Nordküsten, damit die Besucher in diese Welt eintauchen und ein Teil von ihr werden können. Für die kleinen Gäste wird es einen weiteren Spielbereich in maritimer Optik zum ausgelassenen Toben geben. Und auch die Technik und Stallungen der Tiere werden als nordische Fischerhütten in die Landschaft eingebettet. Ein weiteres Highlight sind die Unterwassereinsichten. Unterhalb einer Mole mit Leuchtfeuer können die Besucher zwischen Seelöwen und Seehunden „abtauchen“ und ein Teil der Unterwasserwelt werden. Selbst Familien mit Kinderwagen und alle Menschen mit Einschränkungen dürfen sich freuen, denn alle Wege sind natürlich barrierefrei geplant.“

Eine besondere Herausforderung, die gleichzeitig eine Besonderheit der „Wasserwelten“ ausmacht, war die Integration von neuen Bereichen in die bestehenden Bereiche des Zoos, wie etwa die bisherige Gastronomie. Hier entstehen Synergieeffekte, die das Besuchererlebnis verdichten und zugleich die Bewirtschaftung des Zoos optimieren. Von der Terrasse des Zoorestaurants können die Besucher direkt auf die „Wasserwelten“ schauen und während der Pausen im Restaurant ganz entspannt die Tiere beobachten. Das wiederum verlängert die Aufenthaltsdauer und bereichert zugleich die Besucher mit besonderen Erlebnissen und Eindrücken.

Bevor jedoch die nordische Erlebniswelt mit Unterwassereinsichten im Zoo Osnabrück in die Höhe wachsen konnte, rückten erst einmal Bagger und Kräne an. Zu Beginn der Bauarbeiten musste zunächst die Fläche der alten Gehege der Humboldt-Pinguine und der Rosa-Pelikane sowie das NOZ-Kinderland dem Erdboden gleichgemacht werden. Über 4.500 Kubikmeter Erde wurden abtransportiert, denn die insgesamt sechs Becken für Seelöwen und Seehunde brauchten Platz und so war ein Aushub von bis zu vier Metern Tiefe notwendig. Die bewegte Erde entspricht beachtlichen 8.700 Tonnen. Im Anschluss verlegten Bauarbeiter die Technik. Allein für die Wassertechnik benötigte es ca. 750 Meter Roh-und Reinwasserleitungen und 15 Betriebspumpen, um die Kreisläufe der „Wasserwelten“ am Laufen zu halten. Alle Rohrleitungen in Summe belaufen sich auf ca. 1575 Meter. Erst nach Abschluss aller technischen Arbeiten wurden die Becken mit Beton gegossen. Etwa 2.500 Tonnen Beton wurden gebraucht, um die Becken und die Felslandschaft von 1.100 Quadratmetern entstehen zu lassen. Danach folgte der Ausbau mit Verkleidung und Holzbau. Ganz zum Schluss verleiht der Landschaftsbau mit thematisch passender Bepflanzung den „Wasserwelten“ ihr charakteristisches Äußeres. Damit die „Wasserwelten“ aus der Tiefe in die Höhe wachsen können, steuert das Planungsbüro Rohling (pbr) aus Osnabrück den mehrmonatigen Bauprozess.

Wenn alles fertig ist, bewährt sich die 5.000 Quadratmeter große Anlage auch in puncto Nachhaltigkeit. Schon bei der Planung der „Wasserwelten“ war der Umweltaspekt der Investition besonders wichtig. Mit der neuen Filteranlage werden jährlich über 15 Millionen Liter Wasser gespart, da der Zoo statt einmal in der Woche nur noch einmal im Jahr das Wasser austauschen muss. Der Naturschutz nimmt insgesamt einen wichtigen Aspekt bei der Planung ein und wurde den Architekten und Planern aus Berlin ausdrücklich in das Pflichtenheft geschrieben. So haben die Zooplaner großen Wert auf den Erhalt des alten Baumbestandes im Zoo Osnabrück gelegt und insgesamt alle möglichen Synergien mit Bestandsbauten erfolgreich ausgenutzt.

Mit der Fertigstellung der „Wasserwelten“ im Sommer 2022 wartet ein großes Highlight auf die Besucher des Zoos, das eines der größten Projekte des Zoos darstellt. Das neue Zuhause für die Wassertiere ist damit ein weiterer Meilenstein für den Zoo Osnabrück, der definitiv eine Reise nach Osnabrück wert ist.

Fotos Tiere © Zoo Osnabrück