Zoo Osnabrück WASSERWELTEN

Für die Tiere bringt die neue, moderne „Wasserwelten“-Themenlandschaft vor allem erst einmal viel Platz mit sich. Etwa drei- bis fünfmal so viel Raum, um genau zu sein, werden sie zukünftig nutzen können und das ist mehr, als im Säugetiergutachten für die Haltung dieser Tiere vorgesehen ist. Tatsächlich wird es in den „Wasserwelten“ nicht nur mehr Platz für die Tiere geben, entscheidend ist auch die Qualität des Platzes. Bei der Planung der „Wasserwelten“-Anlage berücksichtigten die Zoodesigner der dan pearlman Erlebnisarchitektur deshalb die natürlichen Lebensgewohnheiten der Tiere und erhöhten die Komplexität der Tierumgebung innerhalb der Anlage so, dass sie den genetischen und verhaltensbedingten Bedürfnissen der Tiere gerecht wird und auf die artspezifischen Bedürfnisse der Tierarten eingeht. Was kompliziert klingt, ist tatsächlich sehr wichtig für das Tierwohl, denn die Anreicherung der Tieranlagen umfasst die regelmäßige Bereitstellung von dynamischen Umgebungen, kognitiven Herausforderungen und sozialen Interaktionsmöglichkeiten.

Für die „Wasserwelten“ heißt das konkret, dass die Felslandschaft für die Anlage so entwickelt wurde, dass sie die Bewegungsmuster und Bewegungsbedürfnisse der Wassertiere berücksichtigt. Felshöhlen und Löcher laden zum Verstecken und Hindurchschlüpfen ein und auch die Ruhe- und Liegeplätze sind entsprechend ergonomisch geformt und angelegt worden. „Environmental Enrichment“ und Behavioral Enrichment“ sind Fachbegriffe für diese Art der Optimierung, auf die bei modernen Zooanlagen ein besonderer Wert gelegt wird. Doch Kieran Stanley plant nicht nur Anlagen, die das Wohl der Tiere in den Mittelpunkt stellen, sondern geht noch ein Stück weiter. Environmental Enrichment im Zoo bedeutet für ihn nicht nur beste Lebensbedingungen für die Tiere herzustellen, sondern auch beste Bewirtschaftungsbedingungen für den Zoo und beste Erlebnisbedingungen für die Besucher zu schaffen.

Wie genau sieht es also aus, das Besuchererlebnis in den neuen „Wasserwelten“? Auf was dürfen sich die Gäste freuen? Bunte Fischerhäuser, eine Mole mit Leuchtturm, eine Dünenlandschaft, Kiefern und bunte Bojen – ein Ausflug in die „Wasserwelten“ ist fast wie ein Ausflug an die Küste. Damit die Besucher auf ihrer Reise durch die „Wasserwelten“ sprichwörtlich in die Architektur und Landschaft der Erlebniswelt eintauchen können, muss das Design der Anlage dafür die Voraussetzungen schaffen. Ziel ist ein „Einswerden“ mit der Umgebung, also ein immersives Erlebnis. Neben der Gestaltung der Anlage tragen dazu auch die Geschichten bei, die innerhalb der Erlebniswelt erzählt werden. Das sogenannte „Storytelling“ führt dazu, dass die Besucher ganz in der „neuen Welt“ ankommen und emotional dazu bereit sind, sich auf die neuen Erlebnisse ein- und von der Schönheit und Einzigartigkeit der Flora und Fauna berühren zu lassen. Gelingt dies erfolgreich, können auch wichtige edukative Themen rund um den Artenschutz adressiert und von den Besuchern aufgenommen werden.

Für die „Wasserwelten“ beschreibt Kieran Stanley das geplante Besuchererlebnis so: „Die Grundidee ist natürlich, den Tieren eine artgerechte Heimat mit großen Gehegen zu errichten. Darüber hinaus erschaffen wir eine nordische Erlebnislandschaft mit Dünen, Kunststrand und Felsen sowie eine Architektur und Bepflanzung abgeleitet von Nordküsten, damit die Besucher in diese Welt eintauchen und ein Teil von ihr werden können. Für die kleinen Gäste gibt es einen Spielbereich in maritimer Optik zum ausgelassenen Toben. Auch die Technik und Stallungen der Tiere werden als nordische Fischerhütten in die Landschaft eingebettet. Ein weiteres Highlight sind die Unterwassereinsichten. Unterhalb einer Mole mit Leuchtfeuer können die Besucher zwischen Seelöwen und Seehunden „abtauchen“ und ein Teil der Unterwasserwelt werden. Selbst Familien mit Kinderwagen und alle Menschen mit Einschränkungen dürfen sich freuen, denn alle Wege sind natürlich barrierefrei geplant.“

Eine besondere Herausforderung, die gleichzeitig eine Besonderheit der „Wasserwelten“ ausmacht, war die Integration von neuen Bereichen in die bestehende Umgebung des Zoos, wie etwa die bereits vorhandene Gastronomie. So entstehen Synergieeffekte, die das Besuchererlebnis verdichten und zugleich die Bewirtschaftung des Zoos optimieren. Von der Terrasse des Zoorestaurants können die Besucher nun direkt auf die „Wasserwelten“ schauen und während der Pausen im Restaurant ganz entspannt die Tiere beobachten. Das wiederum verlängert die Aufenthaltsdauer und bereichert zugleich die Besucher mit besonderen Erlebnissen und Eindrücken.

Bevor jedoch die nordische Erlebniswelt mit Unterwassereinsichten im Zoo Osnabrück in die Höhe wachsen konnte, rückten erst einmal Bagger und Kräne an. Zu Beginn der Bauarbeiten musste zunächst die Fläche der alten Gehege der Humboldt-Pinguine und der Rosa-Pelikane sowie das Kinderland dem Erdboden gleichgemacht werden. Über 4.500 Kubikmeter Erde wurden abtransportiert, denn die insgesamt sechs Becken für Seelöwen und Seehunde brauchten Platz und so war ein Aushub von bis zu vier Metern Tiefe notwendig. Die bewegte Erde entspricht beachtlichen 8.700 Tonnen. Im Anschluss verlegten Bauarbeiter die Technik. Allein für die Wassertechnik benötigte es ca. 750 Meter Roh-und Reinwasserleitungen und 15 Betriebspumpen, um die Kreisläufe der „Wasserwelten“ am Laufen zu halten. Alle Rohrleitungen in Summe belaufen sich auf ca. 1575 Meter. Erst nach Abschluss aller technischen Arbeiten wurden die Becken mit Beton gegossen. Etwa 2.500 Tonnen Beton wurden gebraucht, um die Becken und die Felslandschaft von 1.100 Quadratmetern entstehen zu lassen. Danach folgte der Ausbau mit Verkleidung und Holzbau. Ganz zum Schluss verlieh der Landschaftsbau mit thematisch passender Bepflanzung den „Wasserwelten“ ihr charakteristisches Äußeres.

Die 5.000 Quadratmeter große Anlage bewährt sich auch in puncto Nachhaltigkeit. Schon bei der Planung der „Wasserwelten“ war der Umweltaspekt der Investition besonders wichtig. Besonders hervorzuheben ist die innovative Filtertechnik für die riesigen Wasserbecken, die mit Faserbällen den Wasserwechsel nur noch alle ein bis zwei Jahre notwendig macht – bei etwa 2,4 Millionen Liter Wassermenge und einer Ersparnis von etwa 10 Millionen Liter jährlich ein großer Pluspunkt für die Umwelt und das Zoobudget.

Der Naturschutz nimmt insgesamt einen wichtigen Aspekt bei der Planung ein und wurde den Generalplanern für die Architektur und Landschaftsplanung ausdrücklich in das Pflichtenheft geschrieben. So haben die Zooplaner darüber hinaus großen Wert auf den Erhalt des alten Baumbestandes gelegt und insgesamt alle möglichen Synergien mit Bestandsbauten erfolgreich ausgenutzt.

Etwas über ein Jahr lang hat der Zoo an der neuen Tierwelt gebaut und trotz Corona und Lieferengpässen alle Zeitrahmen einhalten können. „Herausforderung war der enge Zeitplan durch die Förderung und auch der begrenzte Platz auf dem Areal. Wir haben es aber geschafft sowohl den Raum effizient zu nutzen als auch eine besondere Kulisse mit viel Flair zu schaffen, die die Besucher aus ihrem Alltag in eine Urlaubsatmosphäre entführen“, freut sich Kieran Stanley. Die Ausschreibung und Projektbetreuung der „Wasserwelten“ übernahm im Auftrag von dan pearlman das Architektur- und Ingenieurbüro pbr Planungsbüro Rohling AG.

Mit der Fertigstellung der „Wasserwelten“ erwartet die Besucher des Zoos ein großes Highlight, denn das neue Zuhause für die Wassertiere ist das bisher größte Projekt des Zoos und ein weiterer Meilenstein in seiner Entwicklung als Freizeitdestination. Niedersachsens Wirtschaftsminister Dr. Bernd Althusmann sagte bei der Eröffnung der „Wasserwelten“, die mit Unterstützung durch Mittel des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) über die Niedersächsische N-Bank finanziert wurden: „Die neuen Anlagen im Osnabrücker Zoo versprechen eine noch größere Attraktivität für Besucherinnen und Besucher, aber ebenso mehr Tierwohl und Umweltschutz. Sie sind kreativ, innovativ, nachhaltig und damit serviceorientiert. Mich freut es sehr, dass das Land Niedersachsen geholfen hat, die Erfolgsgeschichte des Osnabrücker Zoos weiterzuschreiben.“