Neues Reich für große Tatzen: dan pearlman Erlebnisarchitektur wirkt an der Gestaltung des Tiger Refugiums mit und verantwortet gemeinsam mit spb schlaich bergermann und partner die Konzeption der Netzanlage

Zwischen dichtem Bambus und plätschernden Bächen ist im Zoo Berlin eine neue Dschungellandschaft entstanden, die den Sumatra-Tigern, Tiger-Kater Banyu (2) und Tiger-Weibchen Luise (3), ein abwechslungsreiches Zuhause und schattige Rückzugsorte bietet. Gegenüber der bisherigen Tigeranlage im „Reich der Jäger“ wurde auf dem Gelände der ehemaligen Stelzvogelwiesen in den vergangenen zwei Jahren ein modernes Habitat gebaut, das den besonderen Ansprüchen von agilen Großkatzen gerecht wird und gleichzeitig eindrucksvolle Einblicke in das Leben dieser faszinierenden Tiere ermöglicht.
Environmental & Behavioral Enrichment für die Tiger
Die beiden Außenanlagen bieten vielfältige Strukturen mit Wasserbecken, Flusslauf, kleinem Wasserfall, beheizten Liegeflächen sowie Kratz- und Kletterbäumen, die für eine artgerechte Tierhaltung stehen. Gleichzeitig steht die Sicherheit der Zoobesucher im Fokus: Überspannt wird das Tiger-Areal von einem rund 2.500 Quadratmeter großen Netz aus mehr als 60 Kilometern Edelstahldraht. Sieben Doppelbögen tragen die Konstruktion: Der längste Stahlbogen misst 25 Meter, hat einen Durchmesser von 25 cm und wiegt acht Tonnen. Auch im Untergrund wurde aufwendig gebaut: Damit die Konstruktion im weichen Berliner Boden dauerhaft stabil bleibt, stehen die Stahlbögen auf sogenannten Mikropfählen aus Beton, die je nach Position bis zu 14 Meter tief in die Erde reichen.
Netzanlage für Tiger-Refugium
Mit der Netzanlage am Raubtierhaus bekommt der Zoo Berlin ein neues Highlight. Er erweitert den Lebensraum für seine Tiger und investiert einmal mehr in artgerechte Haltung und moderne Anlagen. Zuständig für die Planung des Tiger-Refugiums waren spb schlaich bergermann und partner, die als Verantwortliche für die Landschaftsarchitektur mit den Erlebnisarchitekten von dan pearlman für die Konzeption und Umsetzung der Netzanlage zusammenarbeiteten.
Bedrohte Großkatzen im Zoo Berlin
Sumatra-Tiger leben ausschließlich auf der indonesischen Insel Sumatra und zählen mit nur noch etwa 400 bis 600 wildlebenden Tieren zu den am stärksten bedrohten Großkatzen der Erde. Laut der Roten Liste der IUCN gilt der Sumatra-Tiger als „vom Aussterben bedroht“. Neben Lebensraumverlust und Wilderei bedrohen zunehmend auch Bevölkerungswachstum, Beuterückgang, Klimawandel, Krankheiten und politische Instabilität ihren Fortbestand massiv. „Gerade für hochbedrohte Arten wie den Sumatra-Tiger ist es entscheidend, dass zoologische Gärten sich weltweit vernetzen und Verantwortung übernehmen, für den von uns Menschen herbeigeführten Verlust der Biodiversität“, erklärt Zoo- und Tierparkdirektor Dr. Andreas Knieriem und ergänzt, „Zoos sind ein unverzichtbarer Pfeiler beim Schutz der biologischen Vielfalt.“
Internationale Schutzprogramme
Auch internationale Schutzprogramme sind beim Schutz der Großkatzen von zentraler Bedeutung. In den nächsten 100 Jahren könnten sich Tiger bei konsequenter Umsetzung aller realistischen Schutzmaßnahmen deutlich erholen und in alle geeigneten Lebensräume zurückkehren. Der Zoo Berlin engagiert sich gemeinsam mit dem WWF für den Schutz der Tiger in ihrem natürlichen Lebensraum. „Tiger durchstreifen im natürlichen Lebensraum viele Länder Asiens, unabhängig von politischen Linien. Ihr Schutz gelingt daher nur gemeinsam, über Grenzen hinweg und mit einem klaren Ziel: diese faszinierende Tierart langfristig zu bewahren“, erklärt Christian Kern, der Zoologische Leiter von Zoo und Tierpark Berlin. „Einer der letzten Hoffnungsschimmer für diese majestätische Großkatze sind die Zoologischen Gärten mit ihren international koordinierten Erhaltungszuchtprogrammen. Für den Sumatra-Tiger gibt es einen „Global Species Management Plan“ (GSMP), der alle regionale Erhaltungszuchtprogramme, wie zum Beispiel das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) zusammenführt und entsprechend global plant, um den Erhalt einer so bedrohten Tierart noch erfolgreicher sichern zu können“, fügt Christian Kern hinzu.
Nachwuchshoffnung im Zoo Berlin
Die beiden Tiger sollen in ihrem neuen Zuhause im Tiger-Refugium Berlin zum Fortbestand der Sumatra-Tiger beitragen und den bedeutenden Beitrag Berlins bei der weltweiten Erhaltungszucht fortschreiben. Bemerkenswert ist, dass in Berlin in den vergangenen 70 Jahren mehr als 150 Sumatra-Tiger geboren wurden – ein Erfolg, den der Zoo Berlin mit dem neuen Tiger-Paar im Tiger-Refugium gerne weiterführen möchte.
Informationen & Fotos: © Zoo Berlin