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Zoo Schwerin Löwenanlage im Rote Liste Zentrum ausgezeichnet

Löwenanlage im Rote Liste Zentrum ausgezeichnet

Jährlich vergibt der Berufsverband der Zootierpfleger e.V. mit dem BdZ – Biber einen Preis für herausragende Tieranlagen im deutschsprachigen Raum. Die ausgezeichneten Tieranlagen müssen durch moderne Tierhaltung, interessante Konzepte, innovative Ideen sowie deren kompetente Umsetzung überzeugen. Der BdZ – Biber 2021 wurde im April 2022 an den Zoo Schwerin für die Anlage für Asiatische Löwen vergeben. Das 2021 direkt neben dem Eingangsbereich des Zoos neu eröffnete Rote Liste Zentrum beherbergt die ausgezeichnete Löwenanlage. Bei der Planung und Umsetzung wurden immer wieder die betreffenden Tierpfleger:innen mit eingebunden. So entstand eine Anlage, die den Tierschutz und das Tiewohl in den Mittelpunkt stellt und die insgesamt Vorbildcharakter hat. Verantwortlich für die Konzeption und Planung des Rote Liste Zentrums mit der ausgezeichneten Löwenanlage sind die Architekten der dan pearlman Erlebnisarchitektur um Kieran Stanley.

Aus der Begründung der BdZ – Biber Auszeichnung für die Löwenanlage im Zoo Schwerin:

„Die Gehege verfügen u.a. über Rasen- und Sandflächen und eine Höhle. Auf der größeren Anlage sind Kletterbäume, ein Buchenwäldchen, ein Teich sowie ein beheizter Stein integriert. Um die Tiere auch bei schlechter und kalter Witterung besser beobachten zu können, wurde ein „Wintergarten“ geschaffen. Dieser besitzt als Bodengrund Rindenmulch und wurde mit Bambus bepflanzt. Zudem verfügt er über eine Liegeplattform und sechs großzügige Oberlichter. Durch die großen Scheiben ist sowohl ein großzügiger Blick in den Wintergarten sowie gleichzeitig in die Außenanlage gewährleistet. Die Scheiben sind mit einer kratzfesten Folie überzogen und nahezu schalldicht.

Selbst hinter den Kulissen besteht genug Platz für die Bewohner. Insgesamt stehen sechs Innenboxen und ein kleineres Außengehege zur Verfügung. Die Boxen sind im Haus auf zwei Seiten aufgeteilt. Der Boxenboden besteht aus Gussasphalt, welcher die Gelenke der Tiere schont und leicht zu reinigen ist. Die Böden werden täglich mit dem im Pflegergang integrierten Heißwasserhochdruckreiniger gesäubert. Beim Bau der Boxen wurde mehrfach ein Murmeltest durchgeführt, um zu gewährleisten, dass das Wasser auch wirklich in Richtung des Abflusses fließt. Jede Box ist außerdem mit einem Liegebrett in unterschiedlicher Höhe ausgestattet. Die Gitter sind so konzipiert, dass kein Tier hindurch schlagen kann. Die Türen zu den Boxen verfügen über eine Luke, worüber bei Bedarf gefüttert werden und eine Wasserschale eingesetzt werden kann. Gleichzeitig kann ein Gitterkorb für das medizinische Training eingelassen werden. Die Schieber bestehen aus einem Gitter- und einem Vollschieber und sich mechanisch zu bedienen. An den Zugvorrichtungen wurden jeweils eine Tritthilfe angebracht, was auch kleineren und leichteren Pfleger:innen hilft, die schweren Schieber zu bedienen.

Auf dem Boden im Pflegergang befinden sich zwei gelbe Sicherheitslinien und alle Bereiche sind ohne Probleme einsehbar. Da die Tiere aus Sicherheitsgründen nachts nicht auf die zwei „öffentlichen“ Außenanlagen dürfen, gibt es einen „Nachtbetrieb“ im Haus. Die angesprochene weitere dritte Außenanlage ist 123m2 groß. Diese ist vollvergittert, wodurch die Tiere diese Anlage auch nachts nutzen dürfen. Das Außengehege besitzt herausnehmbare Zaunfelder, damit eine Transportkiste einfach ans Gebäude gestellt werden kann. Zudem verfügt die Wand am Außenschieber Halteösen, damit die Kisten sicher angedockt und gesichert werden können.

Der Nachtbetrieb bedeutet, dass die Löwen über ein Rolltor und eine extra angefertigte Edelstahlkiste vom Wintergarten und Innenboxen auf der linken Seite über den Pflegergang in die Boxen auf der rechten Seite und das Nachtaußengehege wechseln können, somit entsteht ein Rundlauf. Die Stahlbox und das Rolltor werden dazu hinuntergelassen und mit Bolzen gesichert. Zusätzlich wird der Strom abschalten, damit man alles nicht mehr bewegen kann. Die Edelstahlkiste lässt sich auch auf beiden Seiten verschließen, wodurch ein Kistentraining durchgeführt werden kann. Wenn sich ein Tier in der Kiste befindet, kann man die Kiste komplett herausnehmen und durch einen Hubwagen mit integrierter Waage die Gewichte der Tiere kontrollieren.

Die komplette Anlage ist mit einem komplexen Schließsystem mit insgesamt 56 einzelnen Schlüsseln ausgestattet. Das System verhindert, dass gleichzeitig innen und außen gearbeitet werden kann. Außerdem sind Notfallschlüssel vorhanden, die zum Beispiel bei einem medizinischen Zwischenfall genutzt werden könnten. Wenn ein Notfallschlüssel benutzt wird, wird das direkt dokumentiert. Zusätzlich zeigt ein „Lampensystem“ den Betriebsmodus im Haus an. (Gelb = jemand befindet sich in einer Anlage, Blau = Nachtbetrieb, Rot = Notfall). Der Wintergarten und die Wurfboxen sind videoüberwacht. Jeder Zugang in die Anlage besitzt eine Schleuse. Für die inneren Bereiche ist ein Belüftungssystem vorhanden und die Beleuchtung besteht aus LED-Lampen.

Selbst eine eigene Futterküche wurde in dem Gebäude berücksichtigt. Diese verfügt über eine Besuchereinsicht, eine Hochdruckreiniger, eine Spüle, Arbeitsflächen aus Edelstahl und zwei Kühlschränke mit Frostfunktion. Zum Zeitpunkt der Besichtigung gab es drei wechselnde Fasttage in der Woche und das Futter wird an die Körpergewichte der Tiere ständig angepasst. Wenn vorhanden werden auch gerne Ganzkörperfütterungen durchgeführt. Die integrierten Selbsttränken sind jeweils mit einer Wasseruhr ausgestattet, um zu überprüfen, wie viel die Tiere wirklich trinken.

An den großzügigen Einsichtmöglichkeiten für die Besucher werden zahlreiche Informationsmöglichkeiten angeboten z.B. Schautafeln mit verschiedenen Informationen zu z.B. Lebensraum, Verhalten und Bedrohung. Außerdem steht ein Touchscreen–Monitor zur Verfügung, wo sämtliche Informationen sowie u.a. Löwengebrüll abgerufen werden kann.

Alles in allem wurde hier im Zoo Schwerin ein guter Grundstein für die erfolgreiche Zucht der bedrohten Asiatischen Löwen gelegt. Wir sagen Herzlichen Glückwunsch und wünschen alles Gute!“

 

Text © https://www.zootierpflege.de/biber-2021.html