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Nicole Gietz-Haslinger Transformation | New Work Spaces

Transformation | New Work Spaces

Bei dan pearlman stellen wir uns mit der DAN ACADEMY die Frage, wie wollen wir leben und arbeiten? Gerade jetzt ist diese Frage aktueller denn je. Einerseits ringen wir täglich um neue Antworten auf die akuten Herausforderungen durch die Coronavirus-Pandemie. Andererseits wollen wir ganz bewusst einen gedanklichen Blick in die Zukunft werfen und Mut machen, unsere Gesellschaft und Wirtschaft mit Expertise, Kreativität und Optimismus neu zu denken.

WIE PROFITIEREN UNSERE GESELLSCHAFT UND WIRTSCHAFT TROTZ KRISENMODUS?

In der Krise zeigt sich ganz klar, dass sich eine erfolgreich implementierte Digitalstrategie sowie Erfahrungen mit New Work Ansätzen und Tools jetzt auszahlt. Die Unternehmen, die ihre Mitarbeiter bereits flexibel im Homeoffice haben arbeiten lassen, profitieren aktuell von eingeübten Prozessen. Wer bisher nicht ausreichend digitalisiert hat, hat klar das Nachsehen. Zum einen mangelt es dann schlicht an technischen Voraussetzungen; zum anderen fehlt auch das entsprechende Mindset. Denn: remotes und digitales Arbeiten will gelernt sein.

Mein Fazit lautet daher: ein Vorwärtsdenken in der Vergangenheit hat sich klar gelohnt. Für alle Unternehmen, die aufholen müssen, öffnet sich jetzt ein Opportunitätsfenster für schnelle und agile Veränderungen. Dies betrifft aber nicht nur die offensichtliche Fragestellung, wie ich meine Mitarbeiter von zuhause aus produktiv arbeiten lasse. Vielmehr lassen sich gerade jetzt tiefer liegende Prozesse bewerten und neu strukturieren. Ganz konkret meine ich damit, dass Unternehmen jetzt die Chance haben, die Frage, wie wollen wir arbeiten ganz langfristig zu beantworten. Da geht es um die sozialen Faktoren des gemeinsamen Miteinanders in den Teams, um Unternehmenskultur, um Führungsverantwortung aber auch ganz akut um die physische Office- und Raumstruktur. Jetzt können Unternehmen ihre Officestrukturen auf den Prüfstand stellen. Insbesondere die Zonierung von Officebereichen, die Verortung unterschiedlicher Arbeitsmodi innerhalb der Büros, Quick Fixes bis hin zu baulichen Maßnahmen sollten jetzt geplant und umgesetzt werden.

Ein definitiv zu empfehlender „Quick Win“ ist für mich vor allem eine Auseinandersetzung mit der eigenen Marke und ihrer Sichtbarkeit in den digitalen Tools und Räumen. Für eine Übergangszeit mag es ja ganz charmant sein, zu unseren Mitarbeitern in die Küchen und Wohnzimmer vorzudringen, wenn wir zoomen oder chatten. Ein professioneller digitaler Markenauftritt eines Unternehmens darf aber nicht bei der Unternehmenswebsite enden. Er erstreckt sich ganz klar auch auf die digitalen Arbeits-Tools. Wenn ich als Architektin den physischen Officespace einer Marke plane, webe ich dort ja auch die spezifische DNA des Unternehmens mit ein. Unsere digitalen Räume sollten wir also mit ähnlicher Sorgfalt markenspezifisch ausstatten.

WAS BEDEUTET DIE KRISE INSBESONDERE FÜR DAS NEUE ARBEITEN NACH DEN NEW WORK GRUNDSÄTZEN?

New Work bedeutete bisher immer eine maximale Flexibilität und Agilität bei der Wahl der Tools und Örtlichkeiten. Zum Beispiel entsprach die Raumnutzung immer der entsprechenden Aufgabe und dafür hat sich der bestmögliche Ort empfohlen. Ob Workshopraum oder digitaler Chat, ob Präsenz im Office oder von Zuhause arbeiten, ob Coworking Space oder Café – wir durften immer frei wählen. Aktuell dürfen wir aber gerade nicht wählen und müssen uns auf alles Digitale beschränken. Damit verzichten wir auf alle zwischenmenschlichen Begegnungen und den informellen aber gleichermaßen wichtigen Austausch. Gleichzeitig müssen wir auch auf archaische Instinkte und unser wertvolles Bauchgefühl verzichten. Passt uns die Nase und können wir uns riechen? Hier fällt uns eine rein durch digitalen Austausch geprägte Beantwortung dieser Frage schwer.

WIRD SICH DIE KRISE AUCH IN ZUKUNFT AUF DAS NEUE ARBEITEN AUSWIRKEN?

Die aktuelle Pandemie-Welle dürfte uns im Alltag noch eine Weile begleiten. Jenseits der täglichen Einschränkung wird sich meiner Meinung nach zusätzlich ein gewisses Gefahrengedächtnis in unseren Köpfen verankern. Wir werden ein gestiegenes Sicherheitsbedürfnis haben und uns für alle Eventualitäten weiterer Pandemien flexibel rüsten wollen.

In der Arbeitswelt müssen wir gerade in unseren New Work Spaces, Großraumbüros und Coworking Formaten, die davon leben, dass dort interdisziplinär zusammengearbeitet wird, Strukturen unter dem Sicherheitsaspekt auf den Prüfstand stellen. Die gestiegenen Anforderungen an Sicherheit und Flexibilität stellen neue Anforderungen an uns Architekten. Wir müssen uns fragen: Welche Anzahl Mitarbeiter darf maximal im Pandemiefall arbeiten? Wie lassen sich Zonierungen, Schleusen und Sicherheitsstufen flexibel integrieren und situationsgerecht anpassen? Welche Luftaustausch- und Luftfilteranlagen müssen künftig verbaut oder nachgerüstet werden? Welche Ein- und Ausgänge mit welchen Zugangsbeschränkungen und -kontrollen braucht es künftig? Dafür wird es sowohl bauliche als auch technische Lösungen und auch bestimmte Verhaltensregeln geben. Insbesondere in Coworking Bereichen kann ich mir sogar Gesundheits- und Tracking Apps vorstellen, die täglich den Gesundheitsstatus prüfen und erst bei Unbedenklichkeit den Zugang per Code zum Coworking freigeben.

WIE PACKT MAN JETZT DIE ZUKUNFT AN? WAS HILFT DABEI?

Als Architekten haben wir die Aufgabe, diese neuen Standards in den physischen Raum zu bringen, ohne dass die grundsätzliche Freude am gemeinsamen Zusammenarbeiten beeinträchtigt wird. Warum das so wichtig ist? Ich bin fest davon überzeugt: Der Mensch ist ein analoges Wesen. Es braucht das physische Erlebnis der Gemeinschaft an einem Ort. Auch wenn wir dann bewiesen haben, dass wir alle im Homeoffice arbeiten können und damit das Homeoffice auf größere Akzeptanz bei Unternehmen trifft, werden wir eine neue Wertschätzung für den physischen Arbeitsraum und die Arbeitsgemeinschaft und gleichzeitig das zwischenmenschliche und soziale Miteinander in den Teams und Unternehmen gewinnen.

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