X Icon
EN

|

DE
X Icon

Suche nach:

KieranStanley@AlfredBrehmHausBerlin 3

Kieran Stanley

Zoo Design

Was sind die wichtigsten Prinzipien, die das Design eines modernen Tiergeheges leiten sollten?

An erster Stelle steht für mich das Gehege selbst – der Lebensraum der Tiere. Tiere sollten die Möglichkeit haben, diesen Lebensraum frei zu erkunden und in ihrem Alltag auf unterschiedliche Weise gefordert und stimuliert zu werden. Freiheit und Flexibilität sind dabei wesentliche Faktoren. Bewegliche Elemente und Möglichkeiten, die Tiere dazu anregen, aktiv nach Nahrung zu suchen, sind wichtige Formen der Beschäftigung und Bereicherung des Alltags. Besonders interessant und bereichernd sind auch Lebensräume für mehrere Arten, in denen unterschiedliche Tierarten auf natürliche Weise miteinander interagieren und voneinander profitieren können.

Wie lassen sich Anforderungen an das Tierwohl mit Besuchererlebnis, Bildungszielen und wirtschaftlichen Aspekten bei der Gestaltung eines Geheges in Einklang bringen?

Ich würde hier von weniger von der Gestaltung eines Geheges sprechen, sondern vielmehr von der Gestaltung eines Erlebnisses. Mein Ziel ist es, Besucherinnen und Besucher dazu einzuladen, vollständig in dieses Erlebnis einzutauchen und das Gefühl zu bekommen, den natürlichen Lebensraum der Tiere selbst zu betreten. Wenn man beispielsweise eine Ente unter Wasser beobachten kann, einem Gorilla auf Augenhöhe begegnet oder einem Tiger so nahekommt, dass man die Struktur seines Fells erkennen kann, entsteht eine ganz andere Faszination, als wenn man ein Tier lediglich aus der Distanz betrachtet. Ich denke daher, dass Perspektive und Nähe entscheidend sind.

Idealerweise werden auch kommerzielle Angebote in das Besuchererlebnis integriert – beispielsweise als Möglichkeit, innezuhalten, sich zu entspannen und zu beobachten oder anschließend ein Souvenir mitzunehmen. Im besten Fall sind diese Angebote Teil der ethischen Haltung des Parks: mit fair gehandelten oder verantwortungsvoll produzierten Produkten und einer direkten Verbindung zur Naturschutzarbeit des Zoos. Wichtig ist dabei auch der richtige Zeitpunkt – idealerweise werden solche Angebote im Bereich Retail und Gastronomie eingebunden, solange die Besucherinnen und Besucher noch emotional vom Erlebnis berührt sind.

Deshalb gestalte ich Zoos und Parks gerne in klar definierten Kapiteln oder Zonen. Innerhalb jeder Zone sollte sich das Erlebnis konsequent und immersiv fortsetzen – durch die Landschaftsgestaltung, Gebäude, Requisiten oder unterschiedliche gestalterische und thematische Elemente. All diese Elemente sind Teil einer mehrschichtigen Vermittlung von Geschichten, oder – wie ich es gerne nenne – von Storybuilding. In unserer Arbeit achten wir sehr darauf, dass Authentizität aus dem Ort selbst entsteht und aus der Story, die wir erzählen möchten.

Das Islands-Projekt für den Chester Zoo ist für mich ein sehr gutes Beispiel dafür, wie das gelingen kann. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Besucherinnen und Besucher die In-situ- und Ex-situ-Naturschutzarbeit verstehen können, die das Team des Chester Zoo in den Inselregionen Südostasiens leistet. So entstand eine authentische Expedition, die die Gäste selbst entdecken konnten – fast wie eine ganz persönliche Expedition durch die unterschiedlichen Lebensräume.

Was sind von der Konzeption bis zur Fertigstellung die größten Herausforderungen bei der Umsetzung eines erfolgreichen Zooprojekts?

Die größte Herausforderung in nahezu jedem Projekt ist letztlich die Balance zwischen räumlichen Möglichkeiten und finanziellen Rahmenbedingungen. Deshalb müssen wir von Anfang an ein klares Verständnis davon haben, was das Projekt leisten kann und welches Budget zur Verfügung steht. Bereits in den frühen Phasen führen wir deshalb intensive Prüfungen durch. In ko-kreativen Workshops mit dem Auftraggeber identifizieren und priorisieren wir die Anforderungen und stellen sicher, dass das Briefing mit dem verfügbaren Budget in Einklang steht, bevor das detaillierte Design beginnt.

Ebenso wichtig ist es, zwischen essenziellen, sekundären und optionalen Elementen zu unterscheiden. So können wir ein Design entwickeln, das von allen Beteiligten getragen wird, und gleichzeitig kostspielige Überraschungen in späteren Projektphasen vermeiden. Während des gesamten Prozesses überprüfen wir kontinuierlich Programm, Leistungsumfang und Kosten und passen das Design entsprechend an. So stellen wir sicher, dass das Projekt innerhalb des vereinbarten Budgets bleibt.

Wie können Betreiber und Zulieferer effektiver zusammenarbeiten, um diese Herausforderung zu bewältigen?

Wir arbeiten sehr gerne bereits in den frühen Projektphasen kooperativ mit Experten und Zulieferern zusammen. Zoo-Design ist im Grunde ein kontinuierlicher Prozess des Prototyping. Je nach konkreter planerischer Herausforderung beziehen wir deshalb möglichst früh die entsprechenden Expertinnen und Experten ein, um gemeinsam erste Lösungsansätze zu entwickeln.

Bei einem Lebensraum für mehrere Tierarten, beispielsweise für Nashörner, Antilopen und Vögel, braucht es nicht nur differenzierte Einrichtungen für die einzelnen Arten. Auch die hochkomplexe Netzstruktur, spezifische Elemente zur Beschäftigung der Tiere und viele weitere Anforderungen müssen frühzeitig berücksichtigt und gemeinsam mit den entsprechenden Fachleuten entwickelt werden.

Einige Projekte werden zusätzlich dadurch komplexer, dass sie öffentlich ausgeschrieben werden. Das schränkt unsere Möglichkeiten in gewisser Weise ein, da Zulieferer über die entsprechenden Vergabeverfahren ausgewählt werden müssen. Deshalb ist es wichtig, auf Zuliefererebene zunächst unterschiedliche Optionen zu identifizieren und dann möglichst frühzeitig mit denjenigen Anbietern ins Gespräch zu gehen, die wir für das jeweilige Projekt als besonders geeignet erachten.

Welche Innovationen – in Design, Technologie, Materialien, Tierhaltung oder Besuchererlebnis – werden Ihrer Meinung nach in den kommenden fünf bis zehn Jahren den größten Einfluss auf Zoogehege haben?

Mit Blick auf die Zukunft sehe ich die größte Herausforderung der kommenden fünf bis zehn Jahre in der gesellschaftlichen Akzeptanz von Zoos.

Zoos müssen der Öffentlichkeit zunehmend vermitteln, welchen Beitrag sie leisten und warum die Institutionen selbst von Bedeutung sind. Letztlich hängt die Zukunft von Zoos daher nicht allein davon ab, wie nachhaltig wir ihre Anlagen gestalten, sondern auch davon, wie überzeugend wir ihren tatsächlichen Beitrag zu Naturschutz, Tierwohl und zur Zukunft der von ihnen betreuten Arten vermitteln können. Wir brauchen die Öffentlichkeit ganz klar hinter der Arbeit, die in Zoos geleistet wird. Dafür braucht es meiner Ansicht nach auch eine gemeinsame, starke Stimme.

Innerhalb der deutschsprachigen Zoogemeinschaft übernimmt beispielsweise der VDZ – Verband der Zoologischen Gärten eine solche Rolle; auf internationaler Ebene gilt dies für die WAZA. Beide Organisationen können dazu beitragen, die Interessen und die Arbeit von Zoos und Aquarien gebündelt zu kommunizieren und ihre Anliegen wirkungsvoller zu vermitteln. Ich glaube, dass diese gemeinsame Stimme noch stärker und sichtbarer werden muss. Es sollte nicht nur darum gehen, dass jeder Zoo für sich selbst spricht. Vielmehr geht es darum, ein gemeinsames Verständnis dafür zu schaffen, welche wichtige Arbeit Zoos leisten und warum diese Arbeit für die Zukunft relevant ist – etwas, hinter dem die Öffentlichkeit wirklich stehen kann. Aus meiner Sicht muss daraus eine positive Bewegung für eine bessere Zukunft der Tiere und der Lebensräume entstehen, aus denen sie ursprünglich stammen.

Wenn es uns gelingt, während des Zoobesuchs eine Veränderung in der Perspektive und im Denken der Besucherinnen und Besucher anzustoßen, kann das eine enorme Wirkung entfalten. Letztlich sollte ein Zoo ein Ort sein, der Tiere und Menschen gleichermaßen bereichert. Ein Ort, an dem wir nicht nur etwas über Tiere lernen, sondern auch darüber, wie wir bessere Menschen sein können.

SHARE

RELATED POSTS

Red Dot Award 2026

Red Dot Award 2026

SRH University Berlin

Nicole Srock.Stanley

Nicole Srock.Stanley

"Erlebnis pro Quadratmeter" - Erfolgsformel für den stationären Retail seit 2014

Experience Tour 2026 Berlin & Potsdam

Experience Tour 2026 Berlin & Potsdam

CCEP, SRH, UIR, ADAC

BIG SEE Award 2026 für Nashorn Pagode

BIG SEE Award 2026 für Nashorn Pagode

Zoo Berlin

READY TO WORK WITH US?