Saurierpark Bautzen Konzeptstudie

Als Visitenkarte des Saurierparks Bautzen soll das Empfangsgebäude neu konzipiert werden. Zusammen mit dem Neubau ist die gesamte Neuordnung des Zufahrtsbereiches sowie der Parkmöglichkeiten vorgesehen. Dafür wurde nicht nur eine inszenatorische Wegeführung und Raumfolge entwickelt, sondern auch die funktionale Effizienz betrachtet. Je nach Saison und in Abhängigkeit von Feier- und Ferientagen verzeichnet der Saurierpark Bautzen stark schwankende Besuchermengen. Um trotz dieser Schwankungen Betriebsabläufe zu sichern, eine gute Orientierung zu ermöglichen und Besuchern gleichzeitig eine spannende Entdeckungsreise zu bieten, wurde ein holistischer Ansatz für das neue Konzept gewählt. Ziel ist es, den Besucher schon bei der Anfahrt auf dem Parkplatz auf die Spuren der Urzeit zu lenken, die ihn von hier aus in den Park leiten. Entsprechend setzt das Konzept in der Betrachtung und Gestaltung bei der Anfahrt zum Saurierpark an und führt bis in den neu entstehenden Themenbereich der „Ursuppe“ hinein. Bereits kurz nach der Ankunft können die Besucher am Rande des Parkplatzes eine urzeitliche Atmosphäre spüren, denn hier beginnt der Nebelwald. Dieser landschaftlich gestaltete Bereich aus Edelkastanien und Spitzahorn leitet die Besucher auf scheinbar erkalteten Lavaströmen vom Parkplatz zum Vorplatz des Empfangsgebäudes. Im leichten Nebel und umgeben von urzeitlichen Geräuschen folgen die Besucher den Fußspuren der Saurier und tauchen Schritt für Schritt immer tiefer in die Urzeit ein. Neben den Fußspuren zeugen auch fossile Dinosaurier-Eier in verschiedensten Größen und Farbigkeiten, hergestellt aus Naturstein oder Beton, von dem urzeitlichen Charakter des Ortes. Sie unterstützen den Aufbau eines thematischen Spannungsbogens, gleichzeitig dienen sie den Besuchern als Sitzgelegenheiten und eignen sich als Treff- und Wartepunkte, bevor es gemeinsam weiter zum Empfangsgebäude geht. Das Gebäude ist schon bei der Annäherung an den Park ein markantes und anziehendes Zeichen. Es steht kraftvoll, elementar und archaisch auf der flachen Hügelkuppe vor dem Tal der Saurier. Mit seiner Klarheit wirkt es als elegantes und modernes sowie zeitloses Gebäude und nimmt im Funktionsprogramm des Parks die Rolle eines kleinen Zugangsgebäudes mit optimierten Funktionsabläufen ein. Gleichzeitig ist das Empfangsgebäude das Tor zu einer anderen Welt, die sich hinter der schützenden Fassadehülle verbirgt. Das Gebäude ist Teil einer Raumfolge, die den landschaftlichen und architektonischen Übergang in das Tal der Saurier atmosphärisch verdichtet. Um dies zu erreichen, nehmen die Gebäudewände im neuen architektonischen Konzept ganz besondere Rollen ein. In die lavaartige, krustige Gebäudehülle wird ein funktional optimierter Pavillon mit großzügigen Glasfronten eingestellt. So wirkt die Außenwand verbergend und Neugierde evozierend, während die inneren Wände Einblicke in nachfolgende Räume zulassen und Überblick und Klarheit kreieren. Eingezogene Sitzflächen verleihen den Wänden zusätzlich Raum und schaffen Platz zum Verweilen. Durch den eingesetzten Pavillon entstehen innerhalb der schützenden äußeren Hülle drei Räume: der Pavillon selbst als Funktionsbereich für die Ticketausgabe, Garderoben und Toiletten sowie zwei Höfe, die als zwei Orte des Übergangs fungieren. Durch dieses architektonische Konzept ist das Gebäude gleichzeitig klein und groß, offen und geschlossen, einladend und bergend und es adressiert Kinder ebenso wie Erwachsene. Beim Betreten des Empfangsgebäudes können sich die Besucher im ersten Innenhof orientieren, versammeln, warten und informieren. Der Hof wirkt fast wie ein Rahmen, der den Blick zurück auf die Lichtung mit den Urweltmammutbäumen ebenso fasst wie den Blick in den Himmel. Durch die beiden Glasfassaden erkennt der Besucher auch schon diagonal den zweiten Zugangshof. Die Längsstreckung des ersten Hofes, gegliedert durch die Kaukasische Flügelnuss, führt wie selbstverständlich zum Kassenbereich im Pavillon. An der zentral organisierten Kasse, die auch den Shop und ggf. das Café bedient, ist der gesamte Ticketing-Ablauf extrem komprimiert. Nachdem die Besucher ein Ticket erworben haben, führt der Weg aus dem Pavillon weiter in den zweiten Zugangshof. Dieser hat eine wesentlich dichtere, viel urzeitlicher anmutende Atmosphäre als der erste Hof und gewährt durch eine Fensteröffnung schon einen Blick in den dicht bewaldeten Saurierpark. Die Spannung steigt, denn auf ihrem Weg durch den Hain aus Seidenbäumen und Farnen können die Besucher am Ende einen Zeittunnel mit Feuertor erahnen, der sich höhlenartig aus der Fassadehülle stülpt. Nun wird der Weg immer schmaler und verengt sich zu einem Steg, der in die scheinbar unendlichen Tiefen der Erde führt. Saurierschatten sind im Schein der Lava zu erkennen, die zusammen mit Dinosauriergeräuschen den Gang in die andere Zeit inszenieren. Im Zeittunnel können beiläufig Bollerwagen entliehen und am Ende des Besuchs wieder abgegeben werden. Nach dem Rundgang im Saurierpark werden die Besucher auf dem Rückweg durch den Wald direkt auf die lange Mauer geführt, die sich plötzlich vor ihnen auftut. Wie durch eine Zaubertür finden sie sich plötzlich in der Gegenwart wieder. Der Rückweg führt direkt durch den Shop hinaus ins Freie des ersten Hofes, wo auf die nachkommenden Besucher mit „vollem Blickkontakt“ durch die Glasfassade gewartet werden kann. Durch den Nebelwald geht es zurück zum Parkplatz, für den das Konzept eine klare Trennung in Individualverkehr und einen separaten Parkbereich für Busse vorsieht, um einen klar geordneten und guten Verkehrsfluss zu ermöglichen. So endet die Reise auf den Spuren der Urzeit an der Stelle, an der sie auch begonnen hat und bietet den Besuchern ein ganzheitliches Erlebnis.